Um dem Wettbewerbsdruck standzuhalten, hilft es vor allem kleinen und mittleren Unternehmen, sich zusammenzuschließen und über Unternehmensgrenzen hinaus zu kooperieren. Eine direkte Konkurrenz kann vermieden werden, indem die Unternehmen versuchen, eine Nische am Markt zu finden und sich durch ihre Kernkompetenzen von der Konkurrenz zu unterscheiden. Diese komplementäre Zusammenarbeit, die sich in anderen Industrien wie Baugewerbe oder Automobilbranche bereits erfolgreich durchgesetzt hat, kann auch die Unternehmen der Softwarebranche voranbringen. Im Sinne von Supply Chains führen unternehmensübergreifende Partnerschaften zur Bildung so genannter Software-Lieferketten, in die jede Firma ihre jeweiligen Stärken einbringt. Diese Form der Zusammenarbeit erlaubt kleinen und mittleren Unternehmen, sich zu spezialisieren und ein alternatives Software-Ökosystem gegenüber großen Softwarekonzernen zu etablieren. Durch die Aufteilung der Kompetenzen profitiert die Lieferkette als Ganzes und gewinnt an Wettbewerbsfähigkeit, auch bei größeren Projekten.
Eine Internetplattform kann die Vernetzung vorantreiben und die wesentlichen Vorraussetzungen für den Aufbau erfolgreicher Partnerschaften schaffen. Eine Online-Datenbank für Softwareunternehmen, in der Profile und Kompetenzen hinterlegt werden können, hilft dabei, die Gewinnung zuverlässiger und langfristiger Partner einfacher und transparenter zu gestalten. Moderne Technologien wie komponentenbasierte Softwareentwicklung und geeignete Funktionalitäten zum Austausch von Komponenten und Erfahrungswissen fördern die Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg. Die Integration zusätzlicher Projektmanagement-Funktionen wie Dokumentations- und Konfigurationsmanagement sowie die Bildung eines gemeinsamen Informationsbereichs kann die Intensität der Kooperation bis hin zur gemeinsamen Projektdurchführung steigern. Es existieren bereits Portale, die dieses Konzept auf unterschiedlicher Art und Weise umsetzen:
SoftwareMarktplatz ist beispielsweise ein breit angelegtes IT-Branchenverzeichnis, das sich gleichermaßen an IT-Verlage, Fachhändler, Software- und Beratungshäuser richtet.
ComponentSource ist einer der größten elektronischen Marktplätze für Softwarekomponenten. Die Plattform bietet eine umfangreiche Auswahl an Komponenten aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen und Technologien sowie eine Infrastruktur zum Kaufen bzw. Herunterladen der Software.
SoftwareKompetenz stellt eine Software Engineering Wissensdatenbank dar, mit dem Ziel, Know-how und Erfahrungen zum Thema einfach und schnell zugänglich zu machen. Zusätzlich wird der Kontakt zu Experten und der Erfahrungsaustausch zwischen Industrie und Forschung gefördert.
Schließlich ist SourceForge eine Plattform zur Abwicklung von Open Source Projekten. Es verfügt über ein Versionierungswerkzeug bzw. Quelltext-Repository, das sowohl zur Koordination als auch zur Distribution beiträgt. Diese Plattform gibt Open Source Entwicklern die Möglichkeit, gemeinsam hochwertige Software in kurzer Zeit fertig herzustellen.
Der wachsenden Bedeutung von überbetrieblicher Zusammenarbeit trägt ebenfalls das Projekt TASK (Transferprogramm zum Aufbau von Software-Lieferketten) Rechnung, das vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg gefördert und von der MFG Baden-Württemberg umgesetzt wird. Im Rahmen von TASK wurde unter www.doIT-task.de eine Kooperationsplattform speziell für die baden-württembergische Softwarebranche geschaffen. Softwareanbieter, Systemintegratoren und Berater können sich registrieren und unternehmens- bzw. produktspezifische Informationen einstellen. Insgesamt stehen den Unternehmen drei Verzeichnisse zur Verfügung: ein Anbieter-, ein Software/Komponenten- und ein Dienstleistungsverzeichnis. Um neben der Darstellung von Unternehmensdaten auch eine verzeichnisübergreifende Suche zu ermöglichen, sind die Unternehmensprofile mit dem Leistungsangebot an Softwarekomponenten und Dienstleistungen der zugehörigen Firmen verlinkt. Die Unternehmen sind auch untereinander verknüpft, indem sowohl im Portal bereits registrierte als auch außenstehende Firmen als Partner definiert werden können. Um die Vorteile der Vernetzung beispielhaft zu demonstrieren, haben sich rund 50 vorrangig baden-württembergische Unternehmen zu drei Software-Arbeitkreisen zusammengeschlossen und führen gemeinsame Projekte durch. Gemeinschaftlich erarbeitete Softwarelösungen können als Referenzmodelle für interessierte Anwender und potenzielle Geschäftspartner transparent dargestellt werden. Auf diese Weise entsteht mit Hilfe des Portals ein interessantes Kooperationsnetzwerk, dessen Kern aus starken Unternehmen aus Baden-Württemberg besteht.
Nähere Informationen zum Projekt TASK und zu der Kooperationsplattform gibt Eike Bieber, MFG Baden-Württemberg, Telefon 0711/90715-364 oder per E-Mail bieber@mfg.de.